Interview mit Aya zum Weltfrauentag 2026. Sie sitzt an ihrem Schreibtisch und lächelt in die Kamera.

Weltfrauentag 2026: Moderne Frauen und die Kunst der Balance

Aya ist seit fast drei Jahren HR-Managerin bei Pepperl+Fuchs in Japan und verantwortlich für das gesamte Personalwesen in Japan und Korea. Gleichzeitig ist sie Mutter von vier Kindern. Zum diesjährigen Weltfrauentag erzählt sie im Interview, wie sie Beruf und Familie vereinbart und damit Moderne und Tradition verbindet.

Hallo, Aya oderこんにちは, wie es in deiner Landessprache heißen würde. Kannst du mir einen Einblick in deinen Verantwortungsbereich geben?
Gerne. Ich arbeite Vollzeit als HR -Managerin bei Pepperl+Fuchs und bin für das gesamte Personalwesen in Japan und Korea verantwortlich. Da ich diesen Bereich eigenständig betreue, übernehme ich alle anfallenden HR-Aufgaben. Ich rekrutiere, kümmere mich um Schulungen, mache die Lohnabrechnungen, führe Mitarbeitendengespräche und unterstütze die lokalen Führungskräfte. Dazu gehören noch weitere organisatorischen Aufgaben, in Zusammenarbeit mit den HR-Kolleg*innen im Ausland.

Aya und eines ihrer Kinder im Stadion. Sie stehen mitten auf der Rasenfläche.
Am Wochenende nimmt sich Aya Zeit für die Aktivitäten ihrer Kinder.

Du gehst arbeiten und kümmerst dich gleichzeitig um die Familie. Würdest du dich als moderne und zugleich traditionelle Frau beschreiben?
Ja, absolut. Durch meine Arbeit möchte ich mich weiterentwickeln und finanziell sowie emotional unabhängig sein, gleichzeitig ist mir die Zeit mit meiner Familie sehr wichtig. Ich versuche, an Wochenenden so oft wie möglich an Schulveranstaltungen und Aktivitäten meiner Kinder teilzunehmen. Gleichzeitig ermutige ich sie, vieles selbstständig zu erledigen. Zum Beispiel gehen sie alleine zu ihren außerschulischen Aktivitäten, anstatt das wir sie fahren. Auch mein Mann unterstützt mich da sehr, wir sind gleichberechtigte Personen in einem Team. Jeder bringt seinen Teil ein. 

Barrieren abbauen

Was meinst du, welche strukturellen Barrieren müssen abgebaut werden, damit Frauen sich nicht zwischen Karriere und Familie entscheiden müssen?
Ich denke eine große Hürde ist die grundsätzliche Erwartungshaltung, dass Frauen die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung übernehmen. Das führt oft dazu, dass sie ihre Karriere unterbrechen. Um diese Hürde zu überwinden, müssen Männer gleichermaßen unterstützt und ermutigt werden, sich Zeit für die Kinderbetreuung zu nehmen. Hier in Japan hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 85 % der Männer Elternzeit nehmen sollen. Wenn diese Initiative erfolgreich ist, könnte sie dazu beitragen, ein ausgewogeneres System zu schaffen, in dem sowohl Männer als auch Frauen gleiche Chancen haben, ihre Karriere zu verfolgen und gleichzeitig eine Familie zu gründen. Ich glaube, diese Veränderung ist für die nächsten Generationen sehr wichtig.

Welche Veränderungen würdest du dir für Frauen in der Berufswelt wünschen?
In den letzten Jahren sehen wir immer mehr Frauen in Führungspositionen. Das sendet ein starkes Signal – besonders in Ländern wie Japan, wo es noch nicht viele weibliche Führungspersönlichkeiten gibt. Das zeigt, dass Führung nicht vom Geschlecht abhängt und ermutigt hoffentlich junge Frauen, sich selbst in solchen Rollen vorzustellen. Ich hoffe sehr, dass wir weiterhin Vorurteile und Zögerlichkeiten gegenüber weiblichen Führungskräften abbauen können. Ich möchte eine Welt sehen, in der weibliche Führung selbstverständlich wird.

Weltfrauentag lädt zum Innehalten ein

Welche Botschaft würdest du anderen Frauen mitgeben wollen, die Karriere und Familie gleichermaßen wollen?
Die Balance zwischen Beruf und Familie verläuft vielleicht nicht immer so wie anfangs geplant. Vor allem nach der Geburt tritt man meist erstmal kürzer, zieht sich von den Karrierezielen zurück. Aber das ist nur ein Teil deines langen Weges, und deiner langen Karriere. Die Erfahrungen, die du in dieser Zeit sammelst – Geduld, Widerstandskraft, Empathie und Stärke – werden dich begleiten und dir in Zukunft helfen. Ich glaube fest daran, dass jede Erfahrung einem auf irgendeine Weise hilft, zu wachsen. Also halte dich bitte nicht zurück, weil du eine Frau bist! Fordere dich weiter heraus, geh Schritt für Schritt voran und glaube an dich selbst. Du kannst in vielen verschiedenen Rollen und in vielen verschiedenen Lebensphasen erfolgreich sein.

Hat der Weltfrauentag eine besondere Bedeutung für dich?
Ja. Er gibt mir Gelegenheit, innezuhalten und bewusst wahrzunehmen, wie weit wir Frauen bereits gekommen sind. Gleichzeitig regt er mich dazu an, darüber nachzudenken, was wir weiterhin tun können, um uns gegenseitig zu stärken und echte Chancengleichzeit zu schaffen – damit wir wachsen und erfolgreich sein können.

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